Ein Narr erinnert sich
Über die Anfangsjahre und die Entwicklung des Viernauer Karnevals in der DDR schrieb unser Ehrenmitglied und Ex-Präsident Eberhardt Wilke in der Festschrift zum 40. Karneval 1993/94:

Liebe Narren aus Nah und Fern,
… Wenn ich meine Gedanken heute auf viele Fragen in all den Jahren richte, so können meine Antworten natürlich nur subjektiv sein und meine Erlebnisse und Empfindungen wiedergeben.
Über den Beginn und die Gründung ist viel geschrieben und noch mehr geredet worden. Jener Abend im Gasthaus "Waidmannsheil" führte fast alle Vorstände der Vereine unseres Dorfes zusammen, die alle gute Ideen hatten, aber kein Geld. Der schon fast legendäre "Kräuterwirt" hat das Risiko der Vorfinanzierung getragen und eine begeisterte Mannschaft, unter der Leitung des ebenso legendären "Busch-Fritz", verhalf dem 1. Karneval zu einem durchschlagenden Erfolg.
Nach dem Erfolg die bange Frage, wird es einen nächsten Karneval geben? 39 Jahre sind die Antwort, auch wenn es nie an Versuchen gefehlt hat, die schönste aber auch nebensächlichste Sache der Welt zu reduzieren oder ganz zu unterbinden. Als 1960 unser Musentempel (sprich: Sporthalle) baupolizeilich gesperrt wurde und die Proklamation drei Wochen vor Karneval ausfallen mußte, hatten die Urheber wohl nicht damit gerechnet, daß man in diesem Dorf nicht nur feiern, sondern auch arbeiten konnte. In einem einmaligen Kraftakt wurde die Dachkonstruktion stabilisiert und neu eingedeckt. Der Prinz wurde ausnahmsweise zum Karnevalsauftakt proklamiert, der 7. Karneval fand statt. Der nächste Stoß traf die Leitung des Elferrates, als man aus politischen Motiven den Präsidenten inhaftierte und verschiedene Minister vorübergehend zur Vernehmung abholte. Jene Denunzianten von damals sind zu bedauern, daß sie sich vor den Polit-Karren haben spannen lassen. Daß der 10. Karneval ausfallen mußte, kann man aus heutiger Sicht als Racheakt bezeichnen, weil es den politisch Verantwortlichen nicht gelungen war, die vollsozialistische Landwirtschaft auch in Viernau durchzusetzten, ein Kälteeinbruch diente als Ausrede. Es kamen schwere Jahre, aber die Liebe zu unserem Gagenkameval half, die Talsohle zu durchschreiten. Bereits ab dem 14. Karneval bis zum 20. kann man von den goldenen Jahren sprechen, auch wenn es in der Folge nie an Schüssen gefehlt hat. Überflüssig zu sagen, daß in diesen Jahren ein erster Generationswechsel im Elferrat erfolgte, die "Söhne" mußten ran.
Jeder Karneval bis heute war ein Unikat und als positiv einzustufen, eine Einzelwertung wäre ohne Sinn. Was in all den Jahren Freude bereitet hat und uns auch mit einem gewissen Stolz erfüllen darf, daß der Straßenkameval vom ersten Tag an immer das prägende Element, das "Markenzeichen" unseres Karnevals war und ist. Hunderte Bürger unserer Gemeinde und auch aus den "närrischen Randgebieten" haben immer wieder bewiesen, welche Kräfte man freisetzen kann beim bauen, basteln, malen, nähen und dichten (sprich: Sprüche klopfen), wenn man es mit Freude tut. Erinnert sei an dieser Stelle auch an die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Clubs in Christes, Zella-Mehlis, Benshausen, Suhl, Springstille und seit der Wende auch mit Kitzingen, um stellvertretend nur einige zu nennen. Wir sind stolz auf diese Massenbewegung vom größten Festwagen bis zum kleinsten Fußvolk. Nicht vergessen sollten wir jene Aktiven hinter den Kulissen, die Kassierer (der Sack mußte gefüllt werden), den Handel (Bauch und Birne wollten gefüllt sein), Einlaß- und Ordnungskräfte (auch Narretei braucht Steuerung), die Väter und Gründer (die heute noch nicht abseits stehen). Die Enkel, die sich heute anschickenden Karneval zu fuhren, haben ihn von der "Picke" auf erlernt, dafür standen und stehen der Kindergarten und die Schulen.
In den ersten Jahren standen uns drei Säle zur Verfügung, die Gaststätten "Waidmannsheil" (Gründerlokal), "Grüner Baum" und der "Thüringer Wald". Bereits ab dem 5. Karneval wurde die Sporthalle genutzt, wenn auch noch im Rohbau. Durch den schrittweisen Fortfall der kleinen Säle ging eine gewisse Gemütlichkeit verloren – schade. Die Sporthalle eröffnete natürlich neue Möglichkeiten.
Wenn man in den Anfangsjahren die Büttenprogramme "von außerhalb" hereinholte, entwickelte sich langsam nach dem 12. Karneval eine kleine Gruppe von Büttenrednern und auch Sängern, was in einem musizier- und sangesfreudigem Dorf wie Viernau, keine Schwierigkeit bedeutete. Durch den Auftritt einer Gastballettgruppe wurde schließlich auch der Wunsch nach einem eigenen Ballett wach. Auch hier gelang der 1. Start und ist bis zum heutigen Tag kontinuierlich weiterentwickelt worden. Zwei eigenständige Ballettgruppen prägen heute unsere eigenen Büttenprogramme und sind gerngesehene Gäste bei befreundeten Kamevalsvereinen und darüber hinaus. In den Jahren um den 20. Karneval konnte schrittweise ein eigener Kostümfundus aufgebaut werden, den es zu erhalten gilt. Kleine Arbeitsgruppen in Bühnen- und Dekorationstechnik, Beschallung und Beleuchtung wuchsen heran und bilden ebenfalls ein gutes Fundament.
Seit dem 6. Karneval wurde gefilmt; anfangs 8 mm Film, später 16 mm mit Vertonung und in Farbe; inzwischen ein Fundus von über 10.000 m Film.
Einen Abschnitt möchte ich der Frage der Textbeiträge widmen, weil sie mir am Herzen liegen und immer von besonderer Brisanz sind. Humorbeiträge allgemeiner Natur – auch sogenannte Kokolores-Vorträge - haben zu allen Zeiten ihre Berechtigung und erfordern vom Vortragenden auch eine hohe Begabung, die hier nicht zu werten ist. Schwieriger wird der Umgang mit den Schwächen unserer Menschen und der Kommunalpolitik, die im Ergebnis auch einen gewollten erzieherischen Wert haben. Die örtlichen Themen sind auch die dankbarsten Themen, weil unser Publikum den unmittelbaren Bezug dazu hat und auch darauf wartet. Eine Gratwanderung ist immer die Auseinandersetzung mit der "großen Politik". Als "studierter und angepaßter DDR-Bürger" kannte man die Grenzen des machbaren, aber dann auch "nichts wie ran an die Grenze!" Langweilig waren unsere Texte nie. Im Gegenteil, es hat oft geprickelt, auch wenn hinterher mal eine Auswertung fällig war. Verbote oder der Entzug der Spielererlaubnis sind mir in Viernau nicht bekannt. Wir haben jahrzehntelang über den Zaun gesehen und z. B .jene Büttenredner in Mainz bewundert, wenn sie mit der hohen Politik abrechneten. Seit der Wende haben wir begreifen müssen, wie schwierig der Umgang mit den "Andersdenkenden" ist, daß die Freiheit der Meinungsäußerung respektiert werden muß, sachlich, kritisch, in unserem Falle närrisch, aber niemals verletzend oder schädigend sein sollte oder gar in Feindschaft endet. Themen liefert uns diese aufgewühlte Zeit zur Genüge.
So wünsche ich, mit dem Blick auf den 40. und die kommenden Jahre, den Enkeln des Gagenkamevals eine glückliche Hand und auch wieder Biß im Umgang mit der gewonnenen Freiheit und die Bewahrung der Unabhängigkeit.
Mark Twain sagt:
"Wir mögen Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken.
Vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir!"
Mit Narrengruß "Gag helau"
Euer Eberhard Wilke
(Ex-Präs. u. Ehr.Mitgl. d. EV)
Beginn
Seit 1954 wird in Viernau der Karneval unter Leitung des Elferrates Viernau gefeiert. Begonnen hat alles in der Gaststätte "Waidmannsheil", wovon die erste Seite der Chronik des Vereins zeugt.

So ward der erste Karneval mit Umzug in Viernau geboren.

Natürlich gab es auch schon vorher in Viernau närrisches Treiben, wovon ein Dokument vom Jahr 1905 zeugt.

In diesem Dokument heißt es:
Nachtrag
Zu der Ordnung betreffend der Erhebung von Lustbarkeitssteuem im Bezirke der Gemeinde Viernau vom 26 Oktober 1901.
Auf Grund des Beschlusses der Gemeinde Vertretung vom 21. August 1905 wird die oben näher bezeichnete Steuerordnung im §1. Ziffer 1. wie folgt abgeändert
für die im Bezirke der Gemeinde Viernau statt findenden Lustbarkeiten
sind an die hiesige Gemeindekasse nachstehende Steuern zu entrichten und zwar
1. für jede öffentliche oder von einem Verein veranstaltete Tanzbelustigung ohne Rücksicht auf die Ausdehnung der selben 12 Mark
und wenn dieselbe von Masken besucht wird 30Mark
Viernau den 1 November 1905 die Ortsbehörde
(Reumschüssel und Brandt und Marr)
Kontakt
Geschäftsstelle:
Elferrat Viernau e. V
Am Stieg 01
98547 Viernau
vorstand (at) elferrat-viernau.de
Umzug
Um einen reibungslosen Ablauf unserer Umzüge zu gewährleisten, hat der Elferrat Viernau e. V. eine Umzugsordnung erstellt. Wir weisen alle Umzugsteilnehmer darauf hin, dass dieser Ordnung Folge zu leisten ist.
Desweiteren bitten wir alle Zuschauer am Straßenrand, auf ihre KInder insbesondere beim Herannahem von Fahrzeugen zu achten.
Umzugsordnung des Elferrates Viernau e. V.
Zur Teilnahme an den Karnevalsumzügen laden wir alle Narren aus nah und fern ein, um mit uns zusammen den Viernauer Straßenkarneval zu feiern.
Um einen störungs- und unfallfreien Ablauf der Karnevalsumzüge zu gewährleisten, beachten Sie bitte folgendes:
Die Organisation des Umzuges übernimmt der Elferrat Viernau e.V., seinen Anordnungen ist Folge zu leisten.
Die Aufstellung zum Umzug erfolgt in der Dolmarstraße und Schulstraße.
Fahrzeuge:
Auch während des Umzuges gelten die StVO und die StVZO!
Es dürfen nur zugelassene und versicherte Fahrzeuge verwendet werden. Alle Umzugswagen müssen mit eigenem Sicherungspersonal gesichert werden. Es ist durch geeignete bauliche Maßnahmen bzw. durch Sicherungspersonal zu gewährleisten, dass keine Personen von den Wagen überrollt werden können (z.B. Kinder, die Bonbons aufheben wollen).
Die Sicht des Fahrers darf in keiner Weise beeinträchtigt sein.
Die Personenbeförderung ist nur gestattet, wenn ausreichende Sicherung gegen Herunterfallen gewährleistet ist. Das Auf- und Absteigen während der Fahrt ist verboten! Auf das Fahrzeug /Anhänger darf nur bei Stillstand auf- und abgestiegen werden.
Der Elferrat Viernau übernimmt keine Haftung bei Verstößen gegen StVO und StVZO.
Verhalten während des Umzuges:
Nehmen Sie bei aller Freude und Ausgelassenheit bitte Rücksicht auf Andere!
Gehen Sie verantwortungsvoll mit dem Genuss alkoholischer Getränke um. Jugendlichen unter 16 Jahren darf kein Alkohol ausgegeben werden. Das Jugendschutzgesetz gilt auch zum Karneval.
Das Leergut darf nicht an der Umzugsstrecke abgestellt/entsorgt werden.
Denken Sie daran: Für die eigene Sicherheit ist jeder Umzugsteilnehmer selbst verantwortlich!
Der Elferrat Viernau e.V. haftet nicht für Personen- oder Sachschäden.
Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich an unseren Umzugsminister oder jedes andere Elferratsmitglied. Wir helfen Ihnen gerne.
Nach den Umzügen laden wir alle Teilnehmer in die Mehrzweckhalle Viernau zu einem fröhlichen Umzugsausklang ein.
Gag Helau!
Elferrat Viernau e. V.
- Der Präsident -
Impressum
Impressum
Angaben gemäß § 5 TMG:
Elferrat Viernau e.V.
Am Stieg 1
98547 Viernau
036847 32608
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Telefon: |
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